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Lanzarote

Spricht man von Lanzarote, denken die meisten sofort an dunkle Lavastrände und karges Land, das einer Mondlandschaft gleicht. Auch das ist Lanzarote, richtig, aber sie ist vor allem unvergesslich mit ihrer Farbenvielfalt und reichhaltigen Kultur. Die Vulkaninsel liegt ungefähr 126 Kilometer vor der afrikanischen Küste und zählt wie Fuerteventura, Teneriffa, La Gomera, El Hierro und Gran Canaria zu den Kanarischen Inseln. Bizarre Sandwüsten und tiefblaue Buchten – so unterschiedlich und faszinierend ist diese Insel mit ihrem milden Klima. Auch die Geschichte Lanzarotes klingt abenteuerlich. Die Phönizier waren ebenso hier wie die Piraten und Eroberer. Ihren Namen verdankt die Insel dem Italiener Lancelote Mallecello, der als erster dieses Eiland einnahm und einen Stützpunkt errichtete.

Für wirtschaftlichen Aufschwung sorgte in früheren Zeiten die Orchilla-Flechte. Die unter diesem Namen bekannte Färberpflanze brachte den Kanaren ihren Namen Purpurinseln ein. Entdeckt wurde die Pflanze von den Phöniziern. Die daraus gewonnenen Purpurstoffe zur Produktion roten Tuchs brachten satte Gewinne. Weniger rühmlich waren die Handelsabkommen jener, die sich mit den Eroberern zusammentaten: Patrioten landen als Sklaven auf dem Markt. Wein und Zucker sorgten im 16. Jahrhundert für wirtschaftliche Erfolge. Im 17. Jahrhundert flüchteten viele Lanzarotenos nach Südamerika, um den brutalen Übergriffen durch die Seefahrer aus Europa und Nordafrika zu entrinnen.

Das prägendste Element der Insel, die Vulkane, zeigte den Bewohnern immer wieder die Härte der Natur. Besonders zerstörerisch waren die Vulkanausbrüche bei Timanfaya im 18. Jahrhundert, die fruchtbarste Gebiete vernichtete. Seit 1982 besitzen die Kanaren den Autonomiestatus. Die stärkste wirtschaftliche Kraft ist der Tourismus.

Cueva de los Verdes

Im Norden von Lanzarote liegen die Cueva de los Verdes, eine eindrucksvolle Lavahöhle mit einem ungefähr sieben Kilometer langem Tunnelsystem. Entstanden ist dieses System durch Vulkanausbrüche des Volcan de la Corona.

Tunnelsystem Tunel Atlantida

Während sich die Oberfläche durch die dünnflüssigen Lavamassen verdickt hatte, flossen die unteren Schichten zum Meer. So entstand der Tunel Atlantida, der somit das Höhlensystem der Cueva de los Verdes unterirdisch fortsetzt. Nach dem Ausbleiben des Magmas lief der Tunnel leer. Es entstand ein riesiger Hohlraum, der heute zu den längsten Lavatunnel der Welt zählt, eben jener der Cueva de los Verdes.
Das Tunnelsystem Tunel Atlantida bot im 17. Jahrhundert ein ideales Versteck der Lanzarotenos vor den Sklavenhändlern und Piraten, die die Insel heimsuchten auf der Suche nach Beute.

Heute kann man mit einem Führer diese eindrucksvollen unterirdischen Gänge circa einen Kilometer weit erforschen. Besondere Highlights dieser circa 45 Minuten dauernden Führung in englischer oder spanischer Sprache bei rund 18, 20 Grad Celsius sind Plätze wie zum Beispiel La puerta mora, maurisches Tor, oder El soplo de Dios, Gotteshauch, die mit mystischer Musik untermalt werden. Es geht bis zu 50 Meter hinab, an Lavaformationen vorbei bis zu einer riesigen Halle. Am Ende verzaubern Beleuchtungseffekte einen kleinen Süßwassersee. Die Idee, die Cueva de los Verdes durch akustische und visuelle Effekte zu verschönern, stammte von dem auf der Insel sehr bekannten und beliebten Künstler Cesar Manrique. Beim alljährlichen Musikfestival kann man selbst Zeuge dieser außergewöhnlichen Akustik werden.

Lanzarote

Lanzarote @TK

Fundacion de Cesar Manrique

Wer das Haus des Künstlers Cesar Manrique sucht, orientiert sich an einem farbenfrohen Windspiel, denn ein großer Teil der Fundacion liegt im Erdreich, mitten in einem schwarzen Lavafeld. Sehenswert ist vor allem der Mosaikgarten. Im Obergeschoss kann man Bilder von zumeist spanischen Malern betrachten, während es über eine Wendeltreppe zu den privaten Räumen des Künstlers gelangt. Dann befindet man sich allerdings direkt in den Vulkanhöhlen, die der Künstler beim 1968 begonnen Baus ausgenutzt hat. Er verstand es meisterhaft, das Lavagestein künstlerisch wie spielerisch für seine Zwecke einzusetzen. So wirkt auch der Pool in der Fundacion Cesar Manique mit wunderschönen Pflanzen irreal und verzaubernd zugleich. Für Touristen gibt es einen kleinen Laden, eine Cafeteria, eine Bar und auch einen Parkplatz.

Jameos del Agua

Die unter einem breiten Lavafeld im Norden verborgenen Jameos del Agua tragen die Handschrift des Künstlers und Architekten Cesar Manrique. Bei den heftigen Ausbrüchen des Monte de La Corona entstand ein sieben Kilometer langer Lavatunnel. Die wassergefüllten Hohlräume sind mit einem unterirdischen Salzwassersee, der vom Atlantik gespeist wird. In dem einzigartigen Zusammenspiel von Kunst und Natur, und unbeschreiblichen Ambiente gibt es ein Restaurant, mehrere Bars und einen traumhaften Swimmingpool. Für die besonderen Eindrücke sorgte Cesar Manrique auf unnachahmliche Weise, natürlich im Einklang mit der atemberaubenden Natur. Ein Auditorium für 500 Besucher zeigt die einzigartige Akustik dieser Höhlenlandschaft.

Im Vulkanhaus Casa de los Volcanes, das man über den Aufstieg durch mehrere Galerien mit atemberaubend schönen Ausblicken erreicht. Mehrere Säle bieten dem interessierten Besucher vertiefende Informationen über Vulkanismus, die Ursprünge der Kanaren und geologische Fakten. Auch ein Zentrum zur Vulkanologieforschung ist hier angesiedelt. Restaurant, Bar, Souvenirshop und ein bewachter Parkplatz ergänzen das touristische Angebot der Jameos del Agua.

Mirador del Rio

Der bekannte Aussichtspunkt in den Felsen des Famara-Massivs im Norden von Lanzarote überrascht seine Besucher mit einem spektakulären Panoramablick. Entworfen hat dieses architektonische Kunstwerk Cesar Manrique 1973 mit Jesus Soto. Jede Position bietet neue Eindrücke. Die kleinen Nachbarinseln La Graciosa, Montana Clara und Alegranza sind nur wenige Kilometer entfernt. Für Stärkung sorgen eine Cafeteria und eine Bar. Weiters befinden sich beim Mirador del Rio ein Souvenirshop und ein bewachter Parkplatz.

Timanfaya

Die berühmten Timanfaya Feuerberge mitten im Timanfaya Nationalpark und der jungen Vulkanlandschaft der Montanas del Fuego. Die Gegend demonstriert anschaulich 19 Millionen Jahre an geologischer Bildung der Insel.

Montanas del Fuego, die Feuerberge

Das Gebiet wurde 1974 zum Timanfaya Nationalpark erklärt und beeindruckt mit weitläufigen Lavameeren, seinen geothermischen Veränderungen und Vulkanröhren sowie der reichhaltigen Struktur von Gestein. Der Besuch des 51 Quadratkilometer großen Timanfaya Nationalpark ist ein Muss für Naturliebhaber und Wissenschaftler. Der Durchmesser des Nationalparks beträgt 30 Kilometer und zeigt den Besuchern einerseits die Schönheit neuen Lebens, aber auch die zerstörerische Macht dieses Naturphänomens.

Wer noch mehr über die Vulkankrater der Feuerberge erfahren möchte, schließt sich einer Rundfahrt durch den Nationalpark an. Die 45minütige Fahrt startet am Parkplatz des Islote de Hilario, vorbei an der Feuerschlucht zum Tal der Ruhe, über den Berg Timanfaya und wieder zurück. Untermalt wird die Tour durch Tagebucheintragungen eines Augenzeugen der schlimmen Vulkanausbrüche sowie Musik. Im Montana Blanca Besucherzentrum gibt es weitere Informationen über Vulkanismus und zur Geschichte der Vulkane auf der Insel.

Sehr heiß wird es den Besuchern am beliebten Aussichtspunkt Islote de Hilario, da sich dort Wasser innerhalb weniger Sekunden in eine dampfende Fontäne verwandelt. Ein beeindruckendes Schauspiel. Gemütlicher, nämlich am Rücken eines Kamels, kann man am Echadero de los Camellos die Timanfaya Vulkane aus etwas anderer Perspektive erleben. Hilario war ein legendärer Schäfer. Für Touristen gibt es außerdem ein Restaurant mit Vulkanofen, eine Bar, Souvenirshop und einen bewachten Parkplatz.

Playas de Papagayo

Traumhafte Felsbuchten, Sandstrand und klares Wasser. Nicht umsonst einer der schönsten Strände auf Lanzarote, auf dem Relaxen und Schnorcheln angesagt ist. Die Playas de Papagayo liegen auf einer felsigen Landzunge in der Nähe von Playa Blanca. Das Gebiet steht mit dem Namen Monumento Natural de Ajaches unter besonderem Schutz. Die Aussicht auf Fuerteventura und Los Lobos macht den Strandurlaub noch eindrucksvoller.

Die Playa de Mujeres, Playa de las Coloradas, Playa de las Abogaderas, Playa del Pozo und die Playa de la Cera sind einige der westlichen Strände, die zu den Playas de Papagayo gehören. Die Playa de Papagayo selbst liegt an der Spitze einer Felszunge – feiner Sandstrand, malerische Bucht! Östliche Strände sind die Playa Caleta del Congrio und die Playa de Puerto Muela. Im Süden findet man Traumstrände wie die Playa Dorada oder die Playa Flamingo.

Jardin de Cactus

Im Schatten einer alten Windmühle warten 10.000 Kakteen in 1.400 Arten auf den Kakteenliebhaber. Cesar Manrique entwarf diesen Kakteengarten stufenförmig im Stil eines Amphitheaters. Die Fertigstellung des Gartens 1991 verschaffte einem Vulkankegel neues Leben. Zu finden ist der fantasievolle Garten im Osten der Insel inmitten grüner Kakteenfelder von Guatiza und Mala und schwarzer Vulkanlandschaft.

Die Installation eines Sukkulentengartens diente auch einer Picon-Grube. Picon, an den Hängen der Vulkane abgebaut, brauchen die Bauern, um die nächtliche Feuchtigkeit zu halten. Der Abbau schadete jedoch der hiesigen Landschaft massiv. Cochenille, ein natürlicher sehr intensiver roter Farbstoff, brachte im 19. Jahrhundert der Wirtschaft großen Aufschwung. Was hat das jetzt mit den Kakteen zu tun? Man setzt die Cochenille-Schildläuse auf den Kakteen ab, wo sie als Wirtspflanze leben. Später werden sie vom Kaktusblatt geschabt, kommen in Wasserdampf und enden als getrocknetes Pulver für Lippenstift und anderes.

La Graciosa

La Graciosa, auf die man vom Mirador del Rio sehen kann, lockt mit einem der schönsten Strände auf den Kanaren. Die 28 Quadratkilometer große Insel an der Nordspitze Lanzarotes wurde 1986 höchstpersönlich vom ehemaligen spanischen König Juan Carlos zum Naturschutzgebiet Los Islotes ernannt. So können die Seevögel gefahrlos nisten. La Craciosa bezaubert mit einem sensationellen Farbenspiel. Von gelblichen Erdtönen, die durch die Einstrahlung der Sonne erdfarben, tiefrot bis grün werden. Manchmal findet man auch farbig glitzernde Korallenstücke in der Salzkruste der Strände. Eines findet man auf La Craciosa allerdings nicht: Asphalt und Autos.

Castillo de San Jose

Die mächtige Burg in Arrecife wurde 1776 gebaut und ist heute eine eindrucksvolle Bühne für das internationale Museum für zeitgenössische Kunst. 1976 nahm sich Cesar Manrique der leerstehenden Burg an und stellte in den dicken Burgmauern moderne Skulpturen sowie abstrakte Kunstwerke des 20. Jahrhunderts kontrastvoll zur Schau. Ein kleiner Geheimtipp am Rande: Beim Essen im Restaurant im Erdgeschoss des Castillo de San Jose genießt man einen traumhaften Ausblick auf den Hafen von Arrecife. Das Restaurant entstand unter Cesar Manriques künstlerischem Einfluss.

La Geria

Das Weinbaugebiet La Geria profitiert von dem fruchtbaren Land, das mit harter Arbeit aus Lavafeldern wieder fruchtbares Land geschaffen hat. Außerdem bietet sich ein farbenprächtiger Augenschmaus aus den grünen Rebstöcken, schwarzer Lava, den rötlich schimmernden Bergen und den weißen Anwesen wie Lichtblicke dazwischen. Dieser beeindruckenden Farbkontraste wegen nannte das berühmte New Yorker Museum of Modern Art in den 1960er Jahren La Geria zum Gesamtkunstwerk.

La Geria ist das größte Weinanbaugebiet der Kanaren, mit seinem Trockenfeldbau ist es eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Lanzarotes.

Schon auf der Fahrt nach La Geria fährt man an gemütlichen Bodegas vorbei, die zur Weinprobe einladen. El Grifo ist eine berühmte Weinkellerei, die in der Nähe von La Geria zu finden ist. Dort können Weinliebhaber im Museo del Vino, dem Weinmuseum, mehr über die Weinkulturen erfahren.

Monumento al Campesino

Das Monumento al Campesino in Mozaga ist ein Kunstwerk von Cesar Manrique, der aus Tanks von alten Fischerschiffen ein 15 Meter hohes Denkmal geschaffen hat. Geschaffen hatte der Künstler dieses Denkmal, um den hart arbeitenden Bauern Ehre zu erweisen. Im angrenzenden Museumsdorf Museo del Campesino mit seinen traditionellen Werkstätten erhält man Einblick in die Arbeit der Kunsthandwerker.

Cesar Manrique

Spricht man von Lanzarote fällt zweifelsohne sehr rasch der Name des bekannten Architekten und Künstlers Cesar Manrique. Mit seinen eindrucksvollen Projekten wie den Jameos del Agua, dem Mirador del Rio, dem Jardin de Cactus oder der Fundacion de Cesar Manrique setzte er sich bereits zu Lebzeiten unglaubliche Denkmäler. Er verstand es wie kein anderer, die bizarre Schönheit seiner Heimat Menschen auf der ganzen Welt auf ganz besondere Art und Weise näherzubringen. Sie sollten die Kraft der Vulkane begreifen, sich an ihrer unrealen Schönheit ergötzen, ohne die Landschaft nachhaltig zu zerstören.

Vor allem war Cesar Manrique ein Verfechter des Baubooms auf Lanzarote und Bewahrer der Schönheit Lanzarotes. Er setzte auf sanften Tourismus und stellte die Möglichkeiten mit seinen Werken deutlich zur Schau. Er verstarb 1992 bei einem Autounfall.