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Wenn man sich auf Gran Canaria noch nicht auskennt und die Auswanderung unmittelbar bevorsteht, stellt man sich unweigerlich die Frage, wo soll man wohnen. Diese Frage ist nicht einfach pauschal zu beantworten, da gerade auf Gran Canaria die Umgebung und die persönlichen Vorstellungen eine große Rolle spielen.

Gran Canaria ist allein von den klimatischen Verhältnissen wesentlich vielfältiger als ganz Europa. Fast an jeder Stelle der Insel herrscht ein ganz anderes Wetter. Im Süden der Insel ist es wüstenartig, trocken und heiß. Die vielen Palmen und Grünanlagen wachsen dort nur durch künstliche Bewässerung. Wenn man in die Mitte der Insel reist, durchfährt man innerhalb einer Stunde viele Klimazonen.

Unten ist es trocken und heiß. Etwas höher hat man eine üppige Vegetation und viel Grün. Man könnte meinen in Deutschland zu sein, wenn nicht die vielen Palmen und Lorbeer-Bäume wären. Noch etwas höher passiert man erst Laub-, Misch- und am Ende Kiefernwald. Noch etwas höher lässt sogar der Kiefern-Bestand nach. Der Norden der Insel ist phantastisch grün und üppig bewachsen. Allerdings regnet es hier auch öfter. Dies hängt mit dem Nord-Ost-Passat zusammen. Dieser bringt regenschwangere Wolken mit sich, die es aber selten über die in der Mitte der Insel liegende Berge hinweg schaffen. Sie regnen im Norden der Insel ab.

Nur ganz selten weht der Wind von Süden. Dann kehrt sich die Witterungslage um und der Süden bekommt schlechtes Wetter, während im Norden die Sonne lacht. Natürlich ist der Norden nicht die ganze Zeit wolkenverhangen. Es gibt hier viele absolut wolkenfreie Tage im Jahr. Als Deutscher sehnt man sich in der Regel nach Wärme und Sonne und hat die Nase voll von Regen und Kälte. Doch sollte man bedenken, dass es im Sommer zwischen 30 und 35 warm ist. Während des Calima kann die Temperatur auf 45 oder 50 Grad steigen. Dies passiert zwar nicht oft, aber wenn dann kann es schnell sehr unangenehm werden. Vor allen Dingen, wenn man arbeiten muss. Schon dreißig Kilometer nördlich ist es 5 bis 10 Grad Kälter. Sie sehen also, es spielt eine große Rolle wo man auf der Insel wohnt.

Besonders deutsche Einwanderer suchen in der Regel eine Wohnung am Meer. Im Idealfall als abgelegenes Häuschen auf einer Großen Finka. Diese Wohnmöglichkeiten gibt es auf Gran Canaria, doch glauben Sie uns, so wohnen auch die Canarios gern. Solche Wohnungen sind rar und sehr teuer und obendrein nur in sehr wenigen Fällen zu mieten. Wenn man über das nötige Kleingeld verfügt und viel Glück hat, kann man vielleicht so etwas kaufen. Bevor Sie jedoch dieser Möglichkeit ins Auge fassen, machen Sie sich besser mit den kanarischen Immobilien-Preisen vertraut. In der Regel ist für die meisten Auswanderer die letztgenannte Möglichkeit nicht von Interesse.

Auch auf Gran Canaria gibt es, ähnlich wie in Deutschland, unterschiedlich teure Wohnlagen. Als absolutes Hochpreis-Gebiet gilt der Süden der Insel. Während wir im Südosten der Insel für eine kleine Dreizimmer-Wohnung 450 Euro plus etwa 50 Euro Nebenkosten im Monat bezahlen, kann die gleiche Wohnung im Süden mal eben zwischen 650 und 800 Euro kosten.

Hinzu kommt noch dass das Preisniveau im Süden insgesamt wesentlich höher ist. In unserer Gegend sind die Lebensmittel im Supermarkt in der Regel zwischen 20 und 40 Prozent günstiger als in den Touristen-Hochburgen des Südens. Auch für einen Besuch im Restaurant muss man im Süden wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Kostet ein Bier im Süden ungefähr 1,90 Euro so sind hier im Südosten nur etwa 1,10 Euro fällig.

Dafür ist das Party-Leben im Süden einmalig. Nirgendwo sonst auf der Insel gibt es eine so hohe Dichte an Kneipen, Bars und Diskotheken. Allerdings sollte man sich fragen, ob man wirklich wegen des Party-Lebens wirklich in den teuren Süden ziehen muss. Wenn man feiern möchte, kann man auch bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi dorthin fahren. Beide kosten nicht viel Geld und sind Tag und Nacht verfügbar.

Wer nicht auf Strand und Meer verzichten möchte, ist zum Beispiel in Playa Arinaga im Südosten der Insel sehr gut aufgehoben. Die Mietpreise sind erschwinglich und das Meer ist direkt vor der Tür. Allerdings machen in Playa Arinaga die Spanier Urlaub. Wenn es im Sommer auf dem Festland sehr heiß wird, fallen die Leute von dort in wahren Scharen über unseren kleinen Küstenort her. Da kann die Such nach einem freien Parkplatz in Wohnungsnähe zu einer echten Nervenprobe werden. Es sei denn man konnte eine Wohnung mit Tiefgarage anmieten.

Wenn Sie es wirklich ruhig lieben und außerdem nicht auf urcanarisches Flair verzichten möchte, der sollte sich mal Cruce de Arinaga anschauen. Hier wohnen bis auf wenige Ausnahmen nur Canarios. Die Mieten sind sehr günstig, es gibt Ärzte, Geschäfte jeder Art und Kneipen und Restaurants jeder Coleur, die obendrein noch sehr günstig sind. Das Meer ist in wenigen Minuten mit dem Auto zu erreichen und das ganze Leben ist sehr ruhig und beschaulich.

Wer nicht auf großstädtisches Flair verzichten möchte, sollte sich die Insel-Hauptstadt Las Palmas näher besehen. Las Palmas kann es, im Vergleich, mit jeder anderen europäischen Hauptstadt aufnehmen. Obwohl alles, zugegebener Maßen, etwas kleiner ausfällt. Zu bedenken ist jedoch, dass die Mietpreise ähnlich hoch wie im Süden oder höher sind. Hinzu kommt der sehr intensive Verkehr und die relativ hohen Preise für Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs.

Für die Freunde der absoluten Ruhe und Natur empfehlen sich die Berge von Gran Canaria. Die landschaftliche Vielfalt wurde am Anfang des Textes bereits besprochen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass es um so kälter wird, je höher man kommt. Wenn unten in Playa de Ingles 35 Grad herrschen können es am höchsten Punkt der Insel durchaus 15 Grad weniger sein.

Dies macht sich besonders im Winter bemerkbar. Fast kein kanarisches Haus verfügt über eine Heizung. Dies wird spätestens dann ein Problem, wenn im Winter die Temperatur unter 20 Grad sinkt. Dann haben Sie entweder einen Kamin den Sie beheizen können oder Sie beginnen Gasflaschen zu schleppen um die Wohnung warm zu bekommen. Wahlweise kann man sich auch für ein zweites Paar Socken und den dicken Rolli entscheiden. Machen Sie sich ein klares Bild über den Mehraufwand an Zeit und Kosten. Romantische Vorstellungen von einem wilden und ursprünglichen Leben in den kanarischen Bergen, geben Sie spätestens nach dem ersten Winter auf. Es sei denn, Sie gehören zu den wenigen Natur-Burschen und -Frauen die für dieses Leben geeignet sind. Ein weiterer Nachteil in den Bergen sind die schlechten Einkaufsmöglichkeiten. In der Regel muss man sehr weit fahren um günstig einkaufen zu können und wer je auf den kanarischen Bergstraßen unterwegs war weiß, wie lang selbst 20 Kilometer werden können. Wegen eines vergessenen Stücks Butter eine Stunde im Auto zu sitzen ist auch nicht wirklich spaßig.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie finde ich eine Wohnung. Meist hat man noch nicht die nötigen Sprachkenntnisse um einen Vermieter einfach anrufen zu können und alles nötige zu besprechen. Das einfachste wäre, wenn Sie einen Aufenthalt auf der Insel dazu nutzen, sich selbst eine Wohnung zu besorgen. Wenn es etwas in ausreichender Menge auf Gran Canaria gibt, dann sind dies Meer und Wohnungen. Praktisch in jeder Straße hängen Schilder mit der Aufschrift "Se Aquila" auf deutsch "Zu Vermieten".

Meistens steht gleich noch eine Telefonnummer mit dabei. Diese Form der Wohnungs-Suche hat mehrere Vorteile. Sie lernen gleich Ihre Nachbarschaft kennen und können sich ein Bild von den Einkaufsmöglichkeiten machen. Zudem bekommen Sie noch einen Eindruck, wie weit die viel befahrene Straße wirklich von der Wohnung entfernt ist.

Die zweite Möglichkeit ist, sich ein paar Tageszeitungen zu kaufen und dort eine Wohnung zu finden.

Es gibt auf Gran Canaria einige professionelle und semiprofessionelle Unternehmer, die ihre Dienste bei der Wohnungssuche anbieten. Unsere Erfahrungen reichen hier von extrem überteuert bis zu untauglich. Wir hatten zum Beispiel jemanden über ein bekanntes Gran Canaria Forum kennen gelernt. Nennen wir sie Doro. Übers Telefon besprachen wir alles wichtige und trafen uns einige Tage später auf der Insel. Als sie mich mit einer Bierfahne vom Flughafen abholte dachte ich mir noch nichts böses. Als ich jedoch am nächsten Morgen beobachtete wie sie vier Dosen Bier frühstückte, machte ich mir doch Gedanken.

In den nächsten Tagen lernte ich viele kanarische Kneipen kennen. Ganz zum Schluss musste ich noch viel Druck machen um zu meiner Wohnung zu kommen. Auch hier gilt wieder, die Leute wollen nur Ihr Bestes. Sie erinnern sich, Ihr Geld. Mein Rat wäre das Sie sich jemanden suchen der Spanisch spricht und sich selbst auf die Suche machen.

Sie sehen also, dass es bei der Auswahl seines Wohnortes extrem viel zu bedenken gibt. Nehmen Sie sich Zeit alles in Ruhe zu bedenken und zu planen.



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