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Arbeitsmarkt auf Gran Canaria

Gran Canaria gilt zwar als die Sonneninsel schlechthin, doch ist dies nur auf das Wetter bezogen.
Wer sich als Auswanderer ein Leben unter ewiger Sonne mit wenig Arbeit und viel Freizeit erträumt wird sehr schnell und sehr hart auf dem Boden der Tatsachen landen. In Bezug auf die Arbeitswelt ist das Leben hier alles andere als sonnig. Wenn Sie von sich denken, das Sie in Deutschland schon viel gearbeitet haben, so können Sie hier davon ausgehen, dass Sie sich hier noch mehr anstrengen müssen. Ein Leben auf Gran Canaria bekommt man nicht geschenkt.

Die Arbeitslosigkeit ist in Spanien EU-weit gesehen am höchsten. Die Kanaren nehmen regional von allen spanischen Regionen mit einen Spitzenplatz ein. Hinzu kommt, das der gesamte Arbeitsmarkt starken saisonalen Schwankungen unterworfen ist. Während des Sommers ist hier Nebensaison, was im Klartext bedeutet, dass im touristischen Sektor fast nichts los ist. Viele touristische Einrichtungen schließen sogar. Demzufolge ist auch die Nachfrage nach Arbeitskräften in diesem Bereich mehr als schlecht. Dies ändert sich erst wieder über Winter-Monate. Doch auch dann ist die Chance auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz eher gering. Die Betonung liegt hier auf gut bezahlt.

Das gesamte Lohn-Niveau ist auf den kanarischen Insel etwa um die Hälfte niedriger als in Deutschland. Natürlich gibt es auch hier Leute die gut verdienen, doch würden diese Leute auch in Deutschland zu den Spitzenverdienern gehören.
Zu Ihnen zählen IT-Fachleute und gut ausgebildete Leute anderer Fachrichtungen. Und auch hier liegt die Betonung wieder auf gut ausgebildet. Es ist ein Trugschluss zu glauben, das man mit einer normalen deutschen Berufsausbildung zu diesen Spitzen-Kräften zählt. In Spanien gibt es zwar die klassische Lehrausbildung wie in Deutschland nicht, doch werden die Arbeiter hier auch ausgebildet. Sie erhalten am Ende nur keinen Facharbeiter-Brief. Wenn Sie auf Gran Canaria ein wirklich gutes Einkommen erzielen wollen, müssen Sie sich von der Masse dieser Leute deutlich abheben.

Am allerwichtigsten ist es, dass Sie sich Kenntnisse der spanischen Sprache erwerben!!! Keinem spanischen Arbeitgeber ist es zuzumuten seinen Angestellten die Arbeitsanweisungen zweisprachig zu geben. Zumal die meisten Canarios englisch nicht oder sehr fragmentarisch beherrschen.
Verfallen Sie nicht der irrigen Annahme, dass Sie die Sprache schon vor Ort erlernen werden wenn Sie erstmal hier sind. Eine Sprache lernt man nicht in ein paar Wochen. Dazu braucht es mehrere Monate. Machen Sie sich klar, dass Sie während dieser Zeit unter Umständen kein oder nur ein geringes Einkommen generieren werden.

Eine gute Maßnahme wäre sich eine gewisses Kapital anzusparen um die erste Zeit zu überstehen bis man einen guten Arbeitsplatz gefunden hat. Dies sollte etwa so hoch sein, dass Sie zwei Jahre ohne Einkommen überstehen können. Alles andere wäre leichtfertig.

Der Durchschnittslohn auf den Inseln liegt etwa bei 1.000 bis 1.400 Euro. Bei Preisen, die denen in Deutschland in nichts nachstehen. Falls Sie sich entschlossen haben im Süden der Insel zu leben, zahlen Sie in der Regel um bis zu 30% höhere Preise als in Deutschland.

Bedingt durch diese niedrigen Löhne, sind viele Arbeitnehmer gezwungen regelmäßig Überstunden zu machen. Wir kennen persönlich jemanden, der seit fast zwanzig Jahren auf Gran Canaria lebt und der perfektes Spanisch spricht. Um seine Familie gut über die Runden zu bekommen und sein Haus ab zu bezahlen, macht dieser täglich zwei Überstunden. Jeder der mal in einer ähnlichen Belastungs-Situation gestanden hat weiß, wie stressig dies werden kann. Vor allem wenn es sich um einen Dauerzustand und nicht um eine befristete Phase handelt.

Machen Sie sich also klar, dass das Arbeitsleben auf Gran Canaria kein Zuckerschlecken ist.

Sie sollten besonders darauf achten, nicht in die Hände von Abzockern zu geraten. Berühmt, berüchtigt sind hier die kanarischen Call-Center. Diese sind trotz der angespannten Arbeitsmarkt-Lage ständig auf der Suche nach Mitarbeitern. Allein dieser Sachverhalt sollte Ihnen schon zu denken geben! Am Ende kann es Ihnen passieren, das Sie ohne Lohn dastehen oder sich in derartige wirtschaftliche Abhängigkeiten begeben haben, aus denen Sie nur sehr schwer wieder herausfinden werden. Ausnahmen bestätigen in diesem Fall die Regel.

Auch einige Baufirmen mit deutschen Inhabern sind dafür bekannt, ihr Personal nur sehr unregelmäßig zu bezahlen oder den Lohn irgendwann ganz einzubehalten. Machen Sie sich klar, dass es hier auf der Insel viele gescheiterte Existenzen gibt. Viele haben sich darauf verlegt ihre eigenen Landsleute zu betrügen und diese um ihr mitgebrachtes Geld zu erleichtern. Die einfachste Verhaltens-Regel ist, am besten keine Geschäfte mit deutschen Landsleuten zu machen und sich am besten auch einen spanischen Arbeitgeber zu suchen. Obwohl es hier auch Ausnahmen gibt, doch sind diese "guten Deutschen" für den Neuankömmling in der Regel nicht erkennbar. Lassen Sie sich warnen und benutzen Sie immer Ihren gesunden Menschenverstand, gepaart mit einer gesunden Portion Misstrauen.

Selbständigkeit auf Gran Canaria
Bevor Sie sich mit der Idee beschäftigen sich auf Gran Canaria selbständig zu machen, lesen Sie bitte den nachfolgenden Artikel sorgfältig. Glauben Sie uns, wir haben nichts übertrieben, negativ dargestellt.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine Geschäfts-Idee, die in Deutschland nicht tragfähig gewesen wäre auch auf der Insel nicht funktionieren wird. Machen Sie sich keine Illusionen!!! Als Eisverkäufer am Strand oder mit dem Flechten von Zöpfen in der Fußgängerzone oder mit Nagel-Modelage, werden Sie kläglich scheitern. Auch die Idee von der eigenen Kneipe im Touristen-Gebiet sollten Sie gleich wieder abhaken. Es gibt von dieser Sorte Gastwirtschaften schon viel zu viele. Die Besitzer wechseln ständig und einige treten aller Illusionen und ihres letzten Geldes beraubt, den Weg zurück nach Deutschland an.

In unserer relativ kurzen Zeit auf der Insel haben wir viele kommen und scheitern sehen. Am Ende ist der Katzenjammer groß und es wird über alles Mögliche geklagt nur nicht über die eigene Unfähigkeit die Situation realistisch einzuschätzen.

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen auf der Insel ein kleines Vermögen machen zu wollen, sollten Sie zumindest eines besitzen. Ein großes Vermögen! Sie sollten mindestens so viel Geld haben, das alle Investitionskosten abgedeckt sind plus einem Sicherheitspolster für Unvorhergesehenes. Dann sollte noch so viel Geld übrig sein, dass Sie drei Jahre davon leben können ohne neue Einnahmen zu generieren.

Zu einer tragfähigen Existenz gehört, wie überall auf der Welt auch, ein sorgfältig ausgearbeiteter Business-Plan, eine tief gehende Marktanalyse, vorhandene Kontakte in die einheimische Wirtschaft und auch eine entsprechende Persönlichkeits-Struktur. Nicht jeder taugt zum Unternehmer. Um nur einige der wichtigen Punkte zu nennen. Verfallen Sie nicht der irrigen Idee, Sie könnten hier ganz neue Wege beschreiten. Die kanarische Wirtschaft funktioniert nicht anders als die Deutsche. Lukrative Branchen sind hier ähnlich hart umkämpft wie daheim.

Ich wiederhole es nochmal.
Eine Geschäfts-Idee die in Deutschland nicht funktioniert hätte, wird hier auch nicht funktionieren!

Machen Sie sich wirklich und eindringlich klar, dass das Sichern des täglichen Lebensunterhalts hier in der Regel mit viel mehr Mühen verbunden ist, als Sie es bisher gewohnt waren. Lassen Sie sich auf keine Abenteuer ein und überlegen Sie genau was Sie erwartet. Vielleicht sollten Sie, zumindest für zwei Jahre, das Geld für die Rückflugtickets bei einer Person Ihres Vertrauens in Deutschland deponieren. Etwa 7 von 10 Einwanderern scheitern auf Gran Canaria!

Sie sollten sich auch der Tatsache bewusst werden, das hier soziale Sicherungssysteme wie in Deutschland nicht oder nur sehr eingeschränkt gibt. Zudem müssen Sie eine gewisse Zeit in die spanische Sozial-Versicherung eingezahlt haben, ehe Sie Leistungen beanspruchen können. Wer hier eine Bauchlandung hinlegt, landet in der Regel sehr hart. Achten Sie doch bei Ihrem nächsten Urlaub mal auf die vielen Obdachlosen in Playa de Ingles und Umgebung und seien Sie sich sicher, nur die allerwenigsten waren obdachlos als sie hier ankamen.

Ich wollte Ihnen mit diesem Bericht nicht die Lust am Auswandern nehmen. Es gibt viele Deutsche die hier gut zurecht kommen und sich etabliert haben. Nur seien Sie sich, der nicht unerheblichen Risiken, bewusst, damit aus Ihrem Traum vom Leben unter der Sonne der Kanaren nicht ganz schnell ein Alptraum wird.



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