Gran Canaria: Achtung Abzocker
Ein wichtiger Ratschlag gleich am Anfang.
Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen nach Gran Canaria auszuwandern, müssen Sie sich von einer Sache schon in Deutschland trennen.
Von Ihrer, eventuell vorhandenen, rosaroten Brille.
Tun Sie dies nicht, wird Ihnen diese auf unserer Sonnen-Insel auf eine Art und Weise abgenommen, die man sich eigentlich nicht wünscht.
Machen Sie sich keine falschen Illusionen. Die Realität ist, wenn man hier lebt, eine ganz andere als die, welche man aus dem Urlaub kennt.
Das Leben mit wenig Arbeit und mit viel Zeit um am Strand relaxen zu können, gibt es hier nur für die allerwenigsten. Diese Leute haben in der Regel mindestens sechsstellige Beträge auf dem Konto. Oder mehr.
Wenn Sie nicht zu diesen wenigen, privilegierten Menschen gehören, sollten Sie sich mit der Tatsache vertraut machen, das Ihnen auf Gran Canaria nichts geschenkt werden wird. Hier noch viel weniger als anderswo.
Die Arbeitswelt ist hier eine ganz andere als in Deutschland. Diese Thematik wird in der Rubrik "Arbeiten auf Gran Canaria" ausführlich behandelt. Lesen Sie dieses Kapitel genau!
Auch das gesellschaftliche Leben auf der Insel läuft nach etwas anderen Regeln als in Deutschland.
Es gibt hier viele gescheiterte Existenzen, die es nicht geschafft haben auf normale Weise Fuß zu fassen.
Man sieht dies diesen Menschen nicht immer an. Sie liefern nach Außen das Bild von erfolgreichen Geschäfts-Leuten ab, die sich angeblich seit zwanzig Jahren auf Gran Canaria etabliert haben.
Dies ist vielfach nur ein Vorwand, der dazu dient bei dem Neuankömmling Vertrauen aufzubauen.
Dann wird ganz uneigennützig und vorgeblich kostenlos Hilfe bei den ersten Schritten angeboten. Wenn Sie an diesem Punkt nicht absolut wachsam sind, werden Sie ausgenommen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans.
Das Schlimme daran ist, dass diese Leute sich gegenseitig empfehlen und sich gute Referenzen liefern. Das Ende vom Lied ist, dass Sie von Abzocker zu Abzocker durchgereicht werden.
Hier einige Beispiele, damit Sie wissen was Sie erwartet.
Als wir neu auf der Insel ankamen, lernten wir ziemlich schnell ein deutsches Ehepaar kennen. Beide wohnten sogar im selben Ort wie wir.
Sie war seit Jahren ohne Arbeit und er im Time-Sharing tätig. Selbstverständlich eine Form des Time-Sharings, bei der die Leute nicht betrogen werden.
Angefüttert wurden wir mit der Anmeldung beim Einwohner-Meldeamt. Alles lief glatt und wir mussten nichts bezahlen.
Dann baten wir um Hilfe beim Kauf eines neuen Autos.
Wir wurden an einen Händler verwiesen, der deutsch sprach und einen sehr guten Ruf haben sollte. Im Nachhinein stellte sich heraus, das dieser Händler auf der ganzen Insel als schlimmer Betrüger verrufen ist.
Da wir dies zum damaligen Zeitpunkt nicht wissen konnten, machten wir uns auf den Weg dorthin. Der Autokauf ging über die Bühne. Als wir fragten wie es mit der Anmeldung des Autos ist, wurde uns mitgeteilt das er selbst nicht helfen könne, aber er würde da jemanden kennen....
Schnell war dieser Jemand, der ebenso wie der Autohändler, in fast allen kostenlosen Blättchen die im Süden der Insel verteilt werden seine Hilfe bei Behördengängen anbietet, angerufen.
Er versprach schnelle und unkomplizierte Hilfe. Überhaupt nicht teuer. Außerdem würde er jemanden kennen!, der uns bei der Auswahl einer günstigen KFZ-Versicherung behilflich sein könnte.
Wir gingen auf das Angebot ein.
Am nächsten Tag trafen wir uns beim Versicherungsmakler in Maspalomas um die Papiere zu unterschreiben. Auch wieder ein sehr nettes deutsches Paar.
Da wir noch eine Kranken- und Hausratversicherung brauchten schlossen wir diese Verträge gleich mit ab.
Der Kürze wegen schildere ich einfach mal das Ende der Geschichte.
Das Auto geriet uns nach etwa 1.400 Kilometern auf der Autobahn in Brand. Als wir die zugesagte Händler-Garantie in Anspruch nehmen wollten, mussten wir feststellen, dass der nette Behördengänge-Dienstleister, dem wir alle Papiere des Autos zur Anmeldung überlassen hatten, uns einen ganz anderen Kaufvertrag zurückgegeben hatte als den, den wir unterschrieben hatten.
Laut Papier hatten wir einen Kaufvertrag mit dem Vorbesitzer und nicht mit dem Händler. Unsere Unterschriften wurden der Einfachheit halber auf das neue Dokument kopiert. Weil man schon einmal dabei war, hatte man den Kaufpreis auch gleich verfünffacht. So bekommt man auf einfache Weise sein Schwarzgeld aufs Konto.
Die angeblichen Krankenvollversicherungen erwiesen sich im Nachhinein als Krankenzusatzversicherungen, die uns ohne die Grund-Versicherung der Securidad Social nicht das geringste genutzt hätten.
Und das obwohl wir geschildert hatten, dass meine Frau chronisch krank ist und auf regelmäßige ärztliche Behandlung angewiesen ist.
Als uns wegen eines Überspannungsschadens einer unserer Computer kaputt ging, machten wir uns keine Sorgen. Wir hatten ja die Hausrat-Versicherung, die dies mit abdeckt.
Die Versicherung lehnte die Regulierung des Schadens mit absurden Begründungen ab. Unser Widerspruch wurde von deutschen Versicherungsbüro so lange verschleppt, bis die Kündigungsfrist genau zwei Tage überschritten war.
Wir durften für ein weiteres Jahr eine Versicherung bezahlen, die uns im Schadensfall hängen gelassen hatte und die Versicherungsmakler hatte eine schöne Folge-Provision verdient.
Auch als um die Rückerstattung der gezahlten KFZ-Versicherung ging, mussten wir mehrfach hinterher telefonieren.
Am Ende stellte sich heraus, das der Versicherungsmakler für die Rücküberweisung sein Konto angegeben hatte und nicht unseres. Nach einigem Hin und Her bekamen wir dann auch noch ein paar Euro. Da der ausgezahlte Betrag viel zu gering war, forderten wir mehrfach den Bescheid der Versicherung an, den wir bis heute nicht erhalten haben.
Was ich mit der ganzen Geschichte sagen will ist Folgendes.
SEIEN SIE EXTREM VORSICHTIG MIT DEN DEUTSCHEN LANDSLEUTEN!!!!
Mein Ratschlag wäre, dass Sie sich jemanden suchen, der Spanisch spricht und Sie mit diesem alle nötigen Wege selbst erledigen.
Es ist nicht viel. Sie müssen lediglich zum Einwohnermeldeamt (Ayuntamiento) und zur Polizei um sich anzumelden.
Beim Ayuntamiento legen Sie einen gültigen Mietvertrag und Ihren Pass vor. Alles übrige erledigen die Leute dort selbst.
Mit dem Schein den Sie dort erhalten fahren Sie zur Polizei , legen dort zwei Passbilder und Ihren Reisepass vor, machen einen kurzen Abstecher zu einer Bank in der Nähe um eine Gebühr zu zahlen und schon sind Sie auf den Kanaren eingebürgert.
Wenn Sie ein Auto benötigen, mieten Sie sich für zwanzig Euro einen Wagen und fahren die spanischen Autohändler in Ihrer Gegend an. Dort sind Sie mit Sicherheit besser aufgehoben, als bei den "netten und hilfsbereiten" Leuten im Süden der Insel.
Ebenso sieht aus wenn Sie sich versichern wollen.
Suchen Sie, am besten begleitet von einem Einheimischen, ein Büro der Mapfre oder einer anderen Versicherungsgesellschaft auf und schließen Sie dort alle nötigen Verträge ab.
Der Einheimische Helfer ist hier auf jeden Fall nötig, da Deutsche gern mit "Sonderkonditionen" erfreut werden.
Meiden Sie auf jeden Fall deutsche Versicherungen! Die Preisaufschläge zu einer vergleichbaren, spanischen Versicherung betragen in der Regel 30 Prozent und mehr.
Bei einem Bekannten von uns waren dies mal eben 600 Euro für ein und denselben Versicherungsvertrag.
Sie sollten also auch bei der letzten, vorgeschlagenen Variante immer sehr aufmerksam und vorsichtig sein.
Am besten fahren Sie mit folgenden Grundsätzen.
"Man bekommt was man bezahlt" und die allgemeine Preisstruktur ist hier ähnlich wie in Deutschland.
Wenn Ihnen ein Angebot als zu teuer erscheint, holen Sie ein Gegenangebot einer anderen Agentur ein.
Ebenso kann es einen Krankenvollversicherung für 50 Euro im Monat nicht geben.
Seien Sie immer misstrauisch, wenn es um Ihr Geld geht. Es warten hier viele darauf es Ihnen abzunehmen.
Auch mit neuen Bekanntschaften sollten Sie sehr vorsichtig sein.
Als wir hier ankamen, hatte wir innerhalb sehr kurzer Zeit eine großen Bekanntenkreis aufgebaut. Von diesen Leuten sind nur sehr wenige übrig geblieben.
Gerade unter den deutschen Einwohnern auf Gran Canaria müssen Sie damit rechnen, dass extrem viel getratscht und geklatscht wird.
Dies kann sich bis zu schlimmen Rufmord steigern.
Seien Sie nicht zu vertrauensselig und überlegen Sie sehr genau wem Sie was erzählen.
Insbesondere dann, wenn Sie in den Dunstkreis der Internetforen-Subkultur geraten sind.
Ich sag es mal so, die Leute die Sie dort treffen sind nicht immer die besten. Auch wenn alles auf den ersten Blick sehr harmonisch und nett verläuft.
Dort werden auch vielfach Falschinformationen verbreitet und dies oftmals von Leuten, die nicht auf Gran Canaria leben.
Einer plappert etwas vor und der Rest übernimmt diese Informationen verbreitet diese ungeprüft weiter.
Prüfen Sie auf jeden Fall alles genau gegen, was Sie dort hören.
Jetzt sollten Sie aber auch kein ganz schlechtes Bild von Gran Canaria bekommen.
Es gibt auch hier einige gute und zuverlässige Leute mit denen man sogar freundschaftliche Beziehungen pflegen kann.
Wir haben einige von diesen in unserem direkten Umfeld.