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Teneriffa - Insel der Gegensätze

Insel des Frühlings, Touristenbabel, grünes Wunder, karge Wüste: Teneriffa ist schwer zu fassen. Die Insel passt nicht in ein Klischee.

Im Februar: In der Hochebene der Cañadas liegt ein Meter Neuschnee. Die wenigen verkrüppelten Pinien und das Meer aus flachen Ginsterbüschen verschwinden fast unter der weißen Pracht. Es ist Sonntag, Familienausflugstag. Kinder balgen sich in dem weißen Land, Schneebälle zischen hin und her, sogar die Erwachsenen vergnügen sich mit Behelfsschlitten aus Plastiktüten. Eine Stunde später und rund 2000 Höhenmeter tiefer: auf der Promenade von Playa de las Américas flanieren sonnengebräunte Urlauber in den neuesten Bademoden, am Strand tollen Jung und Alt herum. Eine angenehme, warme Brise weht um die Nase, die kräftige südliche Sonne brennt auf der Haut. Insel der Gegensätze: Einheimische im Schnee, Touristen an den Wellen des Atlantik.

Die Vegetation im Süden der Insel unterscheidet sich kaum von dem spärlichen Pflanzenwuchs in der Zentralsahara. Die größte wüste der Erde liegt auf dem gleichen Breitengrad, nur einige hundert Kilometer östlich des Kanarischen Archipels. Im Norden Teneriffas hingegen überrascht ein intensives Grün, das als Fremden bezauberte, die im Laufe der letzten Jahrhunderte die Insel besuchten. Auch Alexander von Humboldt schrieb begeistert über diese Landschaft.
Teneriffa ist kein exotisches Fernziel. Die Insel stellt dennoch völlig Anderes zur Schau, als der Reisende von touristischen "Nahzielen" aus dem mediterranen Raum gewohnt ist. Teneriffa ist eine Bühne der biosphärischen und geologischen Superlative, die von tropisch grünem Überfluss zu karger, wüstenhafter Ödnis reichen. Einen ganzen Kontinent würde diese Vielfalt zieren. Auf ihrem beschränkten Raum aber zeigt die Insel dem "kleinen" Menschen wahre Größe: Die zerstörerische Kraft des Vulkanismus steht gegen die sanfte, aber letztlich stärkere Macht der Vegetation. Fast könnte man meinen, die lebendige grüne Natur fühle sich herausgefordert, das Terrain wieder mehr als gutzumachen, das sie einstmals an das Feuer aus dem Erdinneren abtreten musste.

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